Tauber-Franken

Bad Mergentheim


Milchling-Brunnen, bei Illustrationen zu Zimmermanns Bauernkrieg gern verwendet. Der Brunnen wurde allerdings vom Deutschmeister erst Jahre später errichtet: 1546. Aber es kommt oft auf die Botschaft an. Die wurde mit aufständischen Bauern und Mergentheimern vor dem Milchlingsbrunnen gut vermittelt. Gern wurden auch die aufständischen Häcker mit der Weinflasche in der Hand gezeichnet. Obwohl es 1525 noch keine Weinflaschen gab. Man trank den Wein aus dem Krug. Dem steinernen, tönernen. Der gebürtige Mergentheimer Schreiber in Würzburgischen Diensten stellte die Frage, ob es ein Bauernkrieg oder ein Weinkrieg war. Das Lorenz Fries'sche Theorem, Weinkrieg oder Bauernkrieg, hat auch Wilhelm Zimmermann und Carlheinz Gräter zu Deutungen und Schilderungen inspiriert: Carlheinz Gräter kostete verifizierend bei seinen "Weinwanderungen an der Tauber" den fränkischen Wein als Mitverursacher des Bauernkrieges aus. Seine Charaktereigenschaften seien erdig und selbstbewußt, sein Genuß stimme zu rechthaberischem, antiautoritärem und krakeeligem Verhalten. Zimmermann schilderte in einem historischen Vorgriff die Bauern tags mit der Flasche und nachts mit der Brandfackel.



Der Mergentheimer Marktplatz ist zweigeteilt: vor und hinter dem Rathaus. Der heutige Anblick des Marktplatzes verdankt seine Ansicht und seine Grundstruktur dem zusätzlichen und repräsentativen Baubedarf der nach Mergentheim übergewechselten Beamten des Deutschen Ordens. 1526 bis 1809 war Mergentheim Residenzstadt. Deshalb wurde der vorher riesige Marktplatz durch neue Hausfluchten mit den patrizisch anmutenden Wohnhäusern verkleinert, was angesichts der heutigen Größe des Marktplatzes nicht von vorne herein auffällt. Der Rathausneubau wurde 1562 begonnen, nicht von den Ratsherren und der Bürgerschaft, sondern von der im 13. Jahrhundert einsetzenden Ortsherrschaft des Deutschordens, der es der Kommune vermietete. So wurde geldlich im Mietzins klargemacht, wo die bürgerliche Selbstbestimmung der Stadt endete. Das Ratshaus selber war multifunktional eingerichtet. Im Erdgeschoß standen Fleisch- und Brotbänke. Das Stockwerk darüber war ein Saal für festliche und gesellige Anlässe. Erst im zweiten Geschoß fand die Administration der Stadt ihre spezifischen Räumlichkeiten (z. B. Archiv).



An den Schaufenster von Spielwaren-Burger konnte man sich als Kind die Nase platt drücken. Allerdings war man meistens Sonntags mit der Familienkutsche - einem VW Käfer - unterwegs. Das Plattdrücken nützte nichts um Kinderwünsche zu erfüllen. Das Geschäft war Sonntags geschlossen. Das Geschäft führte als einzigstes weit und breit die detailreichen Miniaturautos von Wiking. Die damit für einen Ortsfremden reine Utopie blieben. Erst später konnte man als Erwachsener kindliche Wünsche und Bedarfe nachholend befriedigen.